März 2010
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Faktor Humor - Märtini Brös im Interview Die Märtini Brös räsonieren im Interview über eine gemeinsame Dekade. Das komplette Interview!

Zeit Bilanz zu ziehen!

Zehn Jahre Märtini Brös, Zeit für Clé und Mike Vamp, Bilanz zu ziehen. »The MB Factor« nennt sich ihr musikalischer Rückblick, der zugleich ein Blick in die Zukunft ist. Im Interview mit Florian Schneider schauen die beiden auf das letzte Jahrzehnt zurück und verraten, wieso keiner von beiden John Lennon sein möchte ...

Ohne Inspiration geht nichts

Smag: Vier Jahre sind seit der Veröffentlichung von »Love The Machines« vergangen, eurem letzten »richtigen« Album. Auf »The MB Factor« gibt es ja »nur« sechs neue Stücke zu hören. Ist das eure Reaktion auf den veränderten Musikmarkt? Lohnt es sich nicht mehr, Zeit in die Produktion eines kompletten Albums zu investieren?

Clé: Der Hauptgrund, weshalb wir lange nichts gemacht haben, ist, dass man uns 2005 das komplette Studio ausgeraubt hat. Davon abgesehen, dass alle unsere Geräte weg waren, war eben auch unsere Motivation komplett im Keller. Das hat uns mindestens ein Jahr zurückgeworfen. Wir haben langsam wieder angefangen mit ein paar Maxis, haben die »Tracks From The Lab«-Serie gemacht und dabei schon ein Album im Hinterkopf gehabt, ohne es jetzt aber erzwingen zu wollen.

Mike Vamp: Es ist wirklich undankbar heutzutage ein Album zu machen. Entweder hast du von vornherein so einen großen Namen, dass du aus dem Stand mal eben 100.000 Einheiten verkaufst. Um sich mit einem Album durch zu setzen, ist die Situation momentan schwierig. Wer nicht unbedingt selber mit Musik zu tun hat, kann oft gar nicht abschätzen, wieviel Arbeit es ist, ein Album aufzunehmen. Es gibt da ein schönes Zitat von Karlheinz Stockhausen, der gesagt hat: »Nur weil die Instrumente billiger geworden sind, heißt das noch lange nicht, dass auch die Musik billiger geworden wäre.«

Unabhängig davon. Habt ihr nicht auch den Eindruck, dass es momentan einfach zu viel Musik gibt? Vor allem, weil man in den diversen Download-Portalen seine Tracks Ruck Zuck veröffentlichen kann.

Clé: Ich finde durchaus, dass es zuviel gibt, was sich gleich anhört und womit der Markt permanent geschwemmt wird. Ich bekomme jeden Mittwoch oder Donnerstag, wenn ich Platten kaufen gehe, erstmal einen Abturn, weil ich jedesmal 100 bis 200 Platten in die Hand gedrückt bekomme, von denen 50 Prozent definitiv richtig scheiße sind. 10 Prozent sind vielleicht richtig gut und der Rest ist einfach Mittelmaß, das auch kein Mensch braucht, weil keine musikalische Idee oder Vision dahinter steckt. Die Leute machen sich zum Teil noch nicht einmal die Mühe, die Presets an ihren Abelton-Synthies zu verändern. Was dabei entsteht ist teilweise echt eine komplette Frechheit. Das macht die ganze Sache natürlich auch ein bisschen beliebig. Ich brauche zum Musikmachen einfach eine Vision, sonst ergibt das alles keinen Sinn. Wenn ich keine Ideen habe, dann mache ich lieber ein Jahr lang gar nichts, auch auf die Gefahr hin, dass man dadurch abtaucht, weil man nicht mehr zu denen gehört, die 1000 Platten im Jahr machen. Ich finde es einfach den »Fans« und Musikliebhabern gegenüber extrem unangenehm mit einer uninspirierten Platte zu kommen.

Big in Berlin

Liegt diese Beliebigkeit nicht auch daran, dass sich in Berlin große Teile der Szene konzentriert haben?

Clé: Das ist ja nicht nur ein Berliner Phänomen! Aber du hast natürlich in dem Sinne recht, dass sich die Berliner Szene vor allem gegenseitig befruchtet und kaum äußere Einflüsse reinläßt. Wobei das so langsam wieder aufweicht und mehr Leute sich trauen, etwas anderes aufzulegen. Letztendlich ist die Szene aber im Moment in einer Sackgasse und keiner traut sich den ersten Schritt heraus zu wagen.

Mike Vamp: Das liegt aber auch an den Vorgaben der Download-Portale. Ich will jetzt keine Namen nennen, aber es gibt schon Portale, die den Leuten mehr oder weniger vorschreiben, was sie kaufen sollen. Und das führt wiederum dazu, dass viele denken: »Hey, das ist das, was ich machen muss, damit ich was verkaufe.« Das ist das, was mich gerade nervt. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf den Vinylmarkt. Ich selbst benutze zwar ein digitales DJ-System, nehme aber immer noch gerne Platten auf. Der klangliche Unterschied ist nicht von der Hand zu weisen. Vinyl zu kaufen ist auch ein ganz anderes Ereignis, da hast du wirklich was in der Hand. Ich verstehe, dass sich die digitalen Portale bestens dazu eignen zum Beispiel in Bahrain einen guten Namen zu bekommen, andererseits muss man eben aufpassen, dass man dabei nicht vorgeschrieben bekommt, wohin es musikalisch gehen soll. Da würde ich gerne ein bisschen mehr Bewegung sehen.

Habt ihr deswegen versucht, eure CD aufzuwerten, indem ihr sie nur als limitierte Auflage herausbringt?

Clé: Es ging uns mit der Limitierung nicht darum, die CD künstlich aufzuwerten, aber wir wollten einfach sehr schnell mit dem Album raus kommen, waren uns aber auch nicht sicher, wieviele wir überhaupt in die Läden stellen wollen. Deshalb gibt´s jetzt eben zunächst eine limitierte Auflage, und wenn die weg ist die unlimitierte. Das Ding ist, dass momentan keiner einschätzen kann, wie viel man überhaupt verkaufen kann. Das ganze hilft ja auch der Selbsteinschätzung (lacht). Wir wollten einfach mal schauen, wie es mit den Märtini Brös aussieht im Jahr 2008.

Frauen, Feiern und Sex

Wenn ihr zehn Jahre zurückblickt, mit welcher Motivation seid ihr damals angetreten, wie habt ihr zusammengefunden?

Clé: Die Motivation war natürlich Geld,...

Mike Vamp: ... Frauen, Parties, ...

Clé: Geld (lacht)!

Mike Vamp: Frauen, Feiern und Sex nicht zu vergessen!

Clé: Und Ruhm natürlich! Zusammengekommen sind wir damals durch die Inszenierung der Oper Don Giovanni, die unter der Regie von Katharina Thalbach im E-Werk aufgeführt wurde. Ich war damals DJ im E-Werk und Mike hat mich gefragt, ob ich ihn dabei unterstützen kann.

Mike Vamp: Wir kannten uns zu dem Zeitpunkt schon einige Jahre.

Clé: Dabei ist quasi als Nebenprodukt die erste Maxi entstanden und weil die gut ankam, haben wir einfach weiter Musik zusammen gemacht.

Mike Vamp: Hätten wir damals schon gewusst, dass wir das zehn Jahre später immer noch machen, hätten wir uns bestimmt einen besseren Namen ausgedacht (lacht). Danach ging alles ganz schnell, bis zum Einbruch in unser Studio 2005. Danach wollten wir echt aufhören. Allein die Atmosphäre in dem Studio plötzlich, wo wir genau gemerkt haben, wir müssen da raus. Wir haben wirklich alles versucht, haben das Ding ausgeräuchert, aber das war schon hart. Wenn plötzlich Instrumente fehlen, die man nicht mehr so leicht bekommt...

Clé: ... und die auch deinen Sound definiert haben. Unsere alten Moogs zum Beispiel...

Mike Vamp: ... Presets, die man schon eingestellt hatte. Klar, hatte ich ein paar abgespeichert, aber so alte Synthesizer wie die von Moog sind wie Gitarren: jeder klingt anders. Hannes Teichmann hatte damals auch einen Moog Prophet, aber der klang völlig anders. Drei Jahre lang bin ich irgendwelchen Auktionen auf Ebay hinterher gerannt, aber irgendwann habe ich es aufgegeben. Außerdem sind die digitalen Geräte immer besser geworden.

Harmoniesucht und getrennte Zimmer

Ihr seid mal als DJ-Team, mal als Live-Act unterwegs und betreibt mit dem DJ-Lab noch eine Art Zwischending. Ist das für euch ein Weg, um die Musik frisch zu halten und nicht in Mechanismen zu verfallen und zum Auflegeroboter zu mutieren?

Mike Vamp: Im Endeffekt hast du dir die Frage selbst beantwortet, also: ja! (allgemeines Gelächter)

Ihr seid seit zehn Jahren gemeinsam unterwegs. Wie schafft man es über eine solchen Zeiraumt, sich nicht gegenseitig zu nerven?

Mike Vamp: Getrennt voneinander schlafen! Sonst hätten wir echt ein Problem...

Clé: Wir sind beide harmoniesüchtige Menschen, außerdem sind wir ja in einem nicht mehr ganz so zarten Alter zusammengekommen...

Mike Vamp: ... da hat man sich die Hörner schon abgestoßen...

Clé: ...getrennte Zimmer sind natürlich auch wichtig. Ich meine, wir machen fünf Tage die Woche zusammen Musik und sind am Wochenende noch unterwegs zusammen, da spart man sich dann so Aktionen, wie abends Essen oder in die selben Clubs zu gehen. Wenn man sauer auf den anderen ist, dann kann man das Zuhause ausleben... (lacht). Die Freude überwiegt bis heute.

Wie hält man sich nach mehr als zehn Jahren Clubleben fit?

Mike Vamp: Ich war gerade Laufen, mach Karate,...

Clé: ... gutes Essen...

Mike Vamp: Du musst einfach sehen, dass deine Darmflora am Start bleibt, das ist wichtig...

Clé: ... und eben auch mal ins Bett gehen! Besonders freitags, wenn man am nächsten Tag noch einen Auftritt hat. Man muss mit seiner Energie haushalten, alles Erfahrungswerte, die mit den Jahren kommen (lacht). Und unglaublich teure Cremes!

Lieber Ringo Starr als Paul McCartney

Ein kleines Spielchen zum Schluss. Ich nenne euch ein berühmtes Paar und ihr müsst entscheiden, wer welchen Part übernimmt. Los geht´s mit einem Berliner Original: Harald Juhnke und Eddy Arendt?

Mike Vamp: Eddy Arendt!

Bud Spencer und Terence Hill?

Mike Vamp: Terence Hill!

Clé: Ja? Sicher?

Mike Vamp: Du bist der freundliche Bud Spencer, der allen eins auf die Mütze geben würde, wenn er´s könnte.

Pharrell Williams oder Chad Hugo?

Clé: Darüber weiß ich zu wenig, da wüsste ich nicht, wer was macht. Im Zweifelsfall Pharrell, weil er immer so verdammt coole Sneakers an hat.

Asterix und Obelix?

Clé: Tja, Mike!

Mike Vamp: Ja, ich bin nicht in den Zaubertrank gefallen, Meister!

John Lennon und Paul McCartney?

Clé: Paul McCartney! I´m not dead, yet!

Mike Vamp: Früher wurde ich ja vom Gesicht her immer mit Paul verwechselt...

Clé: Aber da sind wir uns jetzt auch nicht wirklich einig. Charakterlich sind bzw. waren die beide nicht ganz sicher. Ich bin großer Beatles-Fan und habe viele Interviews und Artikel über die Fab Four gelesen und letztendlich sind die beide nicht wirklich sympathisch. Deshalb bin ich Ringo Starr und Mike George Harrison.

Mick Jagger und Keith Richards?

Clé: Ron Wood

Mike Vamp: Charlie Watts!

Zum Schluss: Günther Netzer und Gerhard Delling?

Mike Vamp: Clé ist Günther Netzer, er hat einfach mehr Ahnung von Fußball, obwohl ich in der A-Jugend noch gespielt habe.

Clé: Ich bin auch der grantigere Typ von uns beiden. Da ist Mike schon geduldiger mit den Menschen.

»The MB Factor« ist bereits bei Pokerflat Records erschienen ......... www.audioparkstudio.com

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Artikel zuletzt aktualisiert am: Mittwoch, 13. August 2008
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floBo
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