März 2010
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Friede, Freude, Eierkuchen Ist die Loveparade noch zeitgemäß? Digitalism, die Märtini Brös, Phonique, Felix Kröcher und Vincenzo im Gespräch.

Ob nun 150 oder 1,5 Millionen Besucher die Loveparade zur größten Party der Welt machen, ohne Musik und die DJs, die sie auflegen, würde es sie nicht geben. Doch was bedeutet die Loveparade den Künstlern und DJs selbst? Ist die Parade in ihren Augen noch zeitgemäßer Ausdruck einer disparaten Szene? Mit diesen Fragen haben sich mit Digitalism, den Märtini Brös und Felix Kröcher nicht nur offizielle Teilnehmer der Parade beschäftigt. Es liegt auf der Hand, dass ihre Einstellung zur Parade eine andere ist als die von »Unbeteiligten« wie Phonique oder Vincenzo.

Mein erstes Mal

Wann bist du zum ersten Mal auf der Loveparade gewesen?

Clé (Märtini Brös): 1989, wenn auch zufällig.

Mike Vamp (Märtini Brös): 1991, ich hatte damals eine Kreuzberger T-Shirtdruckerei, die vornehmlich Antifa- und zynische T-Shirts hergestellt hat. Dr. Motte ist auf unseren Katalog aufmerksam geworden und hat uns den ersten offiziellen Loveparade Merchandising-Auftrag gegeben. Das hat bei uns intern natürlich zu Diskussionen geführt. Ich hatte damals die Exklusivrechte und habe auf der Parade 1991 im Alleingang ca. 100 T-shirts verkauft.

Digitalism: Noch nie!

Felix Kröcher: Das erste Mal auf der Loveparade war ich 1998, für mich damals eine wahnsinnige Reise mit 15 Jahren. Rückblickend wäre ich natürlich sehr gerne die Jahre davor schon dabei gewesen, aber meine Mutter hat mich zu spät geboren. Trotz allem war es für mich eine schöne Erfahrung und ab diesem Zeitpunkt war ich jedes Jahr mit dabei!

Mehr als Trance und Kindertechno?

Welche musikalischen Entwicklungen gehen deiner Meinung nach auf das Konto der Parade?

Vincenzo: In meinen Augen hat sie keine Trends ausgelöst, sondern sich lediglich bestehender Trends bedient.

Mike Vamp: Trance und Kindertechno!

Felix Kröcher:Auf die Parade kommen soviel DJs & Live-Acts, es ist ein reines Schlaraffenland an Sounds, die weltbesten Künstler ihrer Zunft geben ihr Bestes, dass schreit doch nahezu nach Entwicklung in allen Bereichen.

Phonique: Zur Kommerzialisierung von Techno hat die Loveparde mit Sicherheit beigetragen.

Digitalism: Die Loveparade hat dazu beigetragen, ein Augenmerk auf die Deutsche Elektronik zu lenken. Dank Ihrer Hilfe gilt Deutschland zu einem der wichtigsten Länder für elektronische Musik. Natürlich wurde auch viel kommerzielle Ravemukke gespielt, aber interessant war diese euphorische Atmosphäre und die vielen kleinen Parties mit undergroundigem Techno und/oder Elektronik nach der eigentlichen Parade, fast wie eine Messe oder ein Kongress.

Die Loveparade - eine Party wie jede andere?

Welche Bedeutung hat die Loveparde für dich?

Clé: Sie bedeutete für mich in der Anfangszeit, die Möglichkeit mit vielen Gleichgesinnten die Freiheit der Weltjugend und die Libe ezur Musik zu feiern. Nicht in dunklen Kellerclubs, sondern draußen auf den Straßen, mitte unter den »anständigen Bürgern«.

Felix Kröcher: Ich halte das Ereignis für etwas ganz besonderes, es ist ein Teil unserer Musik, eine Bewegung die in keinem anderen Genre stattfindet, höchstens Woodstock hat ähnliches hervorgerufen, war aber Generationen vor unserer Zeit. Statt wieder zu jammern und abgedroschene Floskeln wie »früher war es besser«, »nur noch Kommerz« etc. unüberlegt in die Forenwelt zu setzen, sollte man eher zur Parade kommen und auf die eigene Art und Weise die Bewegung weiter fortführen. Die Entwicklung unserer Szene hängt davon genauso ab, wir wollen doch zeigen das wir anders sind, aufmerksam machen das man mit solch einer Menschenmasse friedlich feiern kann, die Loveparade ist dafür sicherlich die beste Plattform wenn man es richtig anstellt. Mir fehlt ein wenig das Revolutionsgefühl, das jedoch jeder in uns trägt, also raus damit!!!!

Vincenzo: Ich war nie ein Fan der Loveparade. Das mag wohl daran liegen, dass ich überhaupt nicht auf große Menschenmassen stehe. Ich war nur einmal kurz auf der Parade selbst. Ansonsten habe ich mich sehr über die ganzen Partys gefreut, die es rund um die Parade gab.

Digitalism: Wir sind mit der Loveparade aufgewachsen. Sie hat quasi meine Jugend begleitet und hat eine komplett neue Art der Großveranstaltung erschaffen. Durch sie wurden uns elektronische Musik und Technokultur, Berlin, der Mauerfall und Raves nähergebracht!

Brauchen wir die Loveparade noch?

Ist die Loveparade noch zeitgemäß?

Clé: Es muss einem ja nicht alles gefallen – ich sage nur Kommerzialisierung, Müll etc. – aber letztendlich muss sich jeder die Parade so machen, wie er will – die Spielräume waren und sind gross! Ihre Daseinsberechtigung erklärt sich am 19. Juli...

Felix Kröcher: Mir stellt sich dabei gleich eine andere Frage, wer ist denn dafür verantwortlich das die Loveparade zeitgemäß ist? Ich glaube wir alle sind das, die Teilnehmer! So lange wir, jeder einzelne Charakter sein Teil dazu beiträgt – So lange wird die Loveparade auch zeitgemäß sein und bei einem Besucheransturm von 1 Million Freaks wird das noch dauern und sich in jedem Jahr neu erfinden. Also, wir sehen uns am 19. Juli 2008, zum zeitgemäßen Tanzen

Mike Vamp: Wenn ich mir dieses Jahr das Programm der Abschlusskundgebung ansehe, dann ja. Da wird gerade an einer neuen Definition gearbeitet.

Phonique: Seitdem ich die Loveparde miterlebe war sie noch nie zeitgemäß, sondern einfach ein Happening wie der Kölner Karneval oder das Münchner Oktoberfest.

Digitalism: So lange das Booking der Love Parade mit Bedacht gewählt wird, bleibt die Love Parade auf jeden Fall zeitgemäß.

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Artikel zuletzt aktualisiert am: Dienstag, 24. Juni 2008
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floBo
Florian aus Düsseldorf (33)
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