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Kontraste - Interview mit Marc Romboy
Der Mönchengladbacher zwischen DJ-Pult und Familienleben
Neuanfang
Vor vier Jahren hat Marc Romboy einen Neuanfang gewagt: neues Label, neuer Sound. Seitdem ist Mönchengladbach ein großes Stück näher an Detroit und Chicago gerückt. »Contrast« heißt sein zweites Album und Florian Schneider sprach mit Marc Romboy über die Kontraste in seinem Leben zwischen DJ-Pult und Familienleben.
Technos schwarze Seele
 SMAG: Zwei Jahre sind seit »Gemini« vergangen. Wie unterscheidet
sich die Herangehensweise an »Contrast« von der an dein Debüt?
Marc Romboy: Ein wesentlicher Unterschied liegt darin, dass ich »Gemini« zur Hälfte gemeinsam mit Stephan Bodzin produziert habe. An »Contrast« habe ich dagegen komplett mit meinen Jungs von 45 Rocks gearbeitet. Stilistisch hat »Gemini« über eine größere Bandbreite verfügt, die von Deephouse bis hin zu sehr melodiösen und sphärischen Tracks reicht. »Contrast« sollte von Anfang an mehr aus einem Guss sein, das war mir sehr wichtig. Deshalb habe ich mich auch dazu entschieden, das Album nur in einem Studio aufzunehmen.
Wie weit bist du an der Entstehung der Texte von K-Alexi, Blake Baxter und Chelonis R. Jones auf »Contrast« beteiligt gewesen?
Die Texte stammen schon komplett von den dreien. Wir haben uns vor den Aufnahmen aber lange darüber unterhalten, in welche Richtung sie gehen sollten. Es ging nicht darum, dass die drei ein Buch erzählen, aber ich wollte schon etwas haben, das ein bisschen über die üblichen Klischees und Keywords hinausgeht. Wenn man sich »E Y Mind« anhört, ist das ja fast so, als ob man zum Hypnotiseur geht.
Die Vocals zu den Tracks steuern drei afro-amerikanische Sänger bei. Ist das eine Art Statement von dir, um darauf hinzuweisen, dass die Wurzeln von Techno und House in der schwarzen Musik liegen?
Es ist ja nicht zu leugnen, dass House aus Chicago und Techno aus Detroit kommt und das Schwarze das vorangetrieben haben. Dass auf meinem Album aber nur schwarze Sänger drauf sind hat eher persönliche Gründe. Bei K-Alexi zum Beispiel ist es ja so, dass den nicht viele auf der Rechnung haben. In seinen alten Trax-Platten steckt aber soviel Seele, dass ich den einfach noch mal anhauen musste. Er war sofort Feuer und Flamme und ich bin ziemlich stolz darauf, dass ich den Mann reaktiviert habe.
Körpermusik
Das bestimmende Thema auf »Contrast« sind die Effekte, die Musik auf den Körper haben kann. Wie stark ist dein Glaube an die Fähigkeit von Musik, Dinge zu bewegen und zu verändern?
Ich denke viel darüber nach, welche Dinge auf uns einwirken und beeinflussen und ich glaube, dass jeder, der sich viel mit Musik beschäftigt, auf Konzerte oder in Clubs geht, mit der Zeit seinen ganzen persönlichen Soundtrack zusammenstellt, der sein Leben beschreibt. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die was die Musik angeht Privates und Berufliches trennen. Ich höre privat genauso gerne Jazz wie ich elektronische Musik höre. Aber eins steht fest: Ohne Musik könnte ich gar nicht existieren.
Seit wann beschäftigst du dich schon mit Musik?
Von der ersten Sekunde an, wenn man so will. In der Sammlung meiner Eltern habe ich die Rolling Stones entdeckt und mir wenig später meine erste eigene Platte gekauft: »Robots« von Kraftwerk. Später habe ich dann Breakdance-Tracks im Radio mitgeschnitten und die Tapes mit Freunden getauscht. Ich war auch immer der, der schon in der sechsten Klasse den Ghettoblaster auf Partys mitgebracht hat und für die Musik zuständig war. Auch wenn ich zunächst mit dem Medizinstudium eine andere Richtung eingeschlagen habe, war irgendwie klar, dass ich einmal bei der Musik landen würde, weil sie mich eben schon man ganzes Leben begleitet hat.
Also keine Vorprägung durch musische Eltern?
Nein, nur die Plattensammlung. Aber die reichte ja schon!
DJing als Medizin
 Was hat dich damals an der Medizin gereizt?
In der Schule legt dir ja niemand nahe, mach doch was mit Musik. Da werden andere Berufsbilder vermittelt, Banklehre, Ausbildung. Mein Interesse an Naturwissenschaften und Medizin ist nach wie vor da, aber irgendwann kam der Zeitpunkt, an dem ich mich entscheiden musste. Das war als Klaus Derichs und ich Le Petit Prince gegründet hatten und es mit Techno so richtig losging. Beides zusammen ging einfach nicht. Wobei ich mich heute immer noch erschrecke, wieviel Mut ich damals hatte. Meine damalige Freundin hat mich ausgelacht als ich ihr sagte, dass ich ein Plattenlabel machen will. Ich hatte dafür auch gar kein Geld, aber irgendwie hat es geklappt.
Als DJ hast du dir ja ziemlich miese »Arbeitszeiten« ausgesucht: während die anderen feiern, muss man selbst arbeiten. Was treibt dich nach mehr als 15 Jahren immer noch an?
Der Kick! Definitiv! Wenn man in den Club kommt, die Erwartungshaltung spürt und der Thrill kommt: »Klappt das überhaupt?« Das ist wie vor einem Fußballspiel. Man überlegt sich: »Wie kann ich diese Situation hier auflösen, wie bekomme ich die Leute in den Griff, in welche Richtung wird es gehen?« Diese Spannung ist für mich der Grund, wieso ich lieber Auflegen gehe als Zuhause »Wetten dass?!« zu kucken. Wobei der Kontrast zwischen der Party und dem Moment, wenn man in der Abflughalle auf den Flieger wartet, einen ziemlich nervt. Einen größeren Unterschied könnte es kaum geben. Auf einmal ist alles ganz ruhig, es gibt keine Euphorie mehr, keine Musik, bessere Luft (lacht), kein künstliches Licht.
Borussia oder FCB?
Die entscheidende Frage zum Schluß: Borussia Mönchengladbach oder Bayern München?
Borussia! Mit sieben war ich das erste Mal im Bökelberg Stadion, meine Borussia verlor mit 1:7 gegen die Bayern, ich heulte Rotz und Wasser, aber seitdem bin ich infiziert.
»Contrast« von Marc Romboy erscheint am 06.06.08 bei Systematic Recordings........ www.marcromboy.com
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Artikel zuletzt aktualisiert am: Montag, 02. Juni 2008
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floBo
Florian aus Düsseldorf (34)
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