September 2010
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Von Wrestlern lernen ... Hot Chips Alexis Taylor über Rock'n'Roll und Wrestling

Von Wrestlern lernen ...

»Eigentlich bin ich kein großer Freund davon, alles mit allem zu mixen!« Alexis Taylor, kassengestellbebrillter Sänger von Hot Chip, überrascht mit dieser Aussage. Sorgen er und seine Band doch seit dem Release von »The Warning« dafür, dass sich Indiekids und Raver gleichermaßen entrückt im Pophimmel wähnen, wenn sie die eklektischen Songs von Hot Chip hören. Florian Schneider hat den Sänger von Hot Chip für mysmag.de interviewt.

Die Tour-Tortur

Smag: Seit der Veröffentlichung von »The Warning« seid ihr sehr viel auf Tour gewesen, u.a. in den USA und Südamerika. Wie hat das Touren die Beziehungen innerhalb der Band beeinflusst?

Alexis Taylor (AT): Wir haben zuvor noch nie soviel Zeit auf Tour und engstem Raum verbracht. Trotzdem hat es keinen negativen Einfluss auf unsere Beziehung zueinander gehabt. Wir sind schon so lange Freunde und verbringen eh die meiste Zeit zusammen, daran ändert eine lange Tour nichts. Es hat uns eher gut getan, da wir uns jetzt wirklich als Band fühlen. Ursprünglich haben wir ja als Duo angefangen, Joe (Goddard) und ich. Das Touren hat uns näher zusammen gebracht, das kann man auf der neuen Platten auch hören.

Smag: Für das Klima innerhalb der Band war das lange Touren also eher förderlich. Aber wie sieht es mit den Freundschaften und Freundinnen zu Hause aus?

AT: Es ist nicht leicht, so lange von zu Hause weg zu sein. Das gehört zu den Nachteilen, wenn man in einer Band spielt, die viel unterwegs ist. Man muss das Beste daraus machen und die Momente, die das Leben auf Tour bietet, genießen. Trotzdem haben wir jedes Mal, wenn wir wieder zu Hause waren versucht, soviel Zeit wie möglich daheim zu verbringen.

Das erste Mal als Band

Smag: Du hast gesagt, durch das viele Touren seid ihr zu einer richtigen Band zusammen gewachsen. Hat sich das auch in eurer Produktionsweise niedergeschlagen?

AT: Ein bisschen schon. Zum ersten Mal haben wir als Band zusammen aufgenommen und dabei ein fremdes Studio benutzt. Das hat natürlich einen Effekt auf den Sound von »Made In The Dark« gehabt. Interessant finde ich daran aber, dass die meisten Leute, die das Album hören, nicht sagen können, welcher Song als Band eingespielt wurde und welchen wir am Computer zusammen gesetzt haben. Offenbar macht es gar keinen so großen Unterschied. Kannst du denn sagen, welche Songs wie produziert wurden.

Smag: Ich könnte höchstens raten.

AT: Siehst Du!

Zuhause ist es am Schönsten

Smag: Den größten Teil der Aufnahmen habt ihr aber wieder in Joes Haus gemacht. Wieso ist so ein privater Ort der perfekte Platz für Hot Chip, um Songs zu schreiben und aufzunehmen?

AT: Wir fühlen uns dort sicherer. Joe und ich sind schon lange Freunde und machen seit mehr als zehn Jahren zusammen Musik. Deshalb wissen wir ganz genau wie wir gut und schnell gemeinsam arbeiten können. Müsste ich die Vocals in einem richtigen Studio einsingen, würde ich den Rest der Band aus dem Studio werfen, weil ich sonst zu ängstlich wäre. Außerdem steht man in einem Studio viel mehr unter Druck den perfekten Take abliefern zu müssen. Bei Joe muss ich mir keine Sorgen darum machen, den perfekten Take zu erwischen, weil ich weiß, er wird sich dort von alleine ergeben. Das macht es viel leichter. Wenn man uns aus dieser vertrauten Umgebung heraus nimmt, müssen wir woanders erst wieder lernen uns wohl zu fühlen. Ein Studio muss man außerdem bezahlen, was eine Menge Druck aufbaut. Wenn wir zu Hause aufnehmen, können wir so lange aufnehmen, wie wir wollen und auch mal aufhören, wenn es nicht läuft.

Smag: Ihr habt also nie darüber nachgedacht, einen Produzent zu den Aufnahmen hinzu zu ziehen?

AT: Nein, darüber haben wir gar nicht nachgedacht. Wir haben mit Joe unseren eigenen Produzenten, wieso sollten wir ihn ersetzen? Wir müssen uns eher darum kümmern, noch mehr als Band zusammen zu wachsen als darüber nach zu denken, ob wir irgendwann einmal mit jemand anderem als Produzenten arbeiten wollen.

Rock'n'Roll ist Wrestling

Smag: Ihr habt dem Album den Namen der Ballade »Made In The Dark« gegeben. Inwiefern repräsentiert dieser Song das komplette Album?

AT: Wir wollten damit unsere ruhigere Seite betonen, die bisher noch nicht so im Fokus stand. Die meisten sehen in uns ja doch eine Band, die schräge Clubmusik macht. Der Titel hat aber noch eine andere Bedeutung, die nicht im gleichnamigen Song angelegt ist. Für mich bezieht es sich auf die unbewusste Art und Weise wie wir Musik machen, und darauf wie wir Menschen im Bauch der Mutter heranwachsen.

Smag: Einen Song, den ich auf »Made In The Dark« besonders mag, ist »Wrestler«. Wer ist dein Lieblingswrestler und was hat Wrestling mit Hot Chip zu tun?

AT: Junkyard Dog finde ich ziemlich gut, The Iron Sheik, Jerry »The King« Lawler. Wrestlemania III (1987) ist immer noch meine Lieblings-Wrestlemania. Das erste Mal bin ich 1991 mit Wrestling in Berührung gekommen. Ich verfolge es heute zwar nicht mehr, aber ich wollte mit dem Song ein positives Zeichen für etwas setzen, das als lächerlich und altbacken gilt. Wrestling mag gewalttätig sein, aber gleichzeitig ist es auch Theater, wenn gleich ohne großen Anspruch. Ich jedenfalls habe durch Wrestling einiges gelernt. Über die klassische Musik zum Beispiel, die Wrestler für ihren Einmarsch benutzt haben. Zu »Wrestler« habe ich mich außerdem von Jim Dickinson inspirieren lassen, ein bekannter Produzent, der schon mit Big Star oder Aretha Franklin zusammen gearbeitet hat. Ich habe über ihn gehört, dass er jeden Montag um 17:00 Uhr aufhört zu arbeiten, weil er sich Wrestling im Fernsehen ansehen will. Und jeder, der mit ihm arbeitet, respektiert das. Er glaubt jedenfalls fest daran, dass Wrestling Rock'n'Roll und Rock'n'Roll Wrestling ist.

Zukunftsmusik

Smag: Von heute an sind es noch fast drei Monate (Das Interview fand im Dezember 2007 statt) bis euer Album erscheint. Hast du nicht Angst davor, es könnte schon Wochen vor dem eigentlichen Termin im Internet zu haben ist?

AT: Ich kann mir nicht vorstellen, dass es nicht schon vor der Veröffentlichung im Netz zu haben sein wird. Es liegt aber nicht an uns, dass wir jetzt schon über unser Album sprechen, sondern an der Presse, die den Anspruch hat als erster über das neue Album berichten zu dürfen. Wenn man eine so lange Vorlaufzeit hat, gibt es immer jemanden, der dein Album ins Netz stellt. Wir könnten dagegen höchstens etwas tun, indem wir ein Album veröffentlichen, sobald es fertig ist.

Smag: Radiohead haben ihr aktuelles Album »In Rainbows« zehn Tage nach Ankündigung ausschließlich im Internet veröffentlicht. Was hälst du von ihrem Vorgehen?

AT: Ich denke, es war auf jeden Fall eine gute Sache zu sagen: »Hey, unser Album ist fertig, und ihr könnt es schon nächste Woche kaufen.« Das ist genau das, was ich seit Jahren befürworte und was ich sehr viel aufregender finde als ihre Musik oder die Tatsache, dass die Leute selbst entscheiden konnten, wieviel sie für das Album bezahlen wollen.

DJ Kicks hoch fünf

Smag: Ihr habt 2007 einen Mix zur DJ-Kicks-Serie beigetragen. Bist du mit eurem Mix immer noch zufrieden?

AT: Ja, auf jeden Fall! Ich höre ihn mir zwar nicht mehr an, aber ... Es gibt sicher einfacheres als den Geschmack von fünf Leuten adäquat in einem Mix zu repräsentieren. Ich denke der Mix ist eine unterhaltsame Momentaufnahme und ich bin stolz auf unsere Auswahl. Es ist teilweise etwas brachial, wie die einzelnen Titel ineinander gemixt werden, eigentlich bin ich nämlich kein großer Freund davon, alles mit allem zu mixen.

Smag: Mit »The Warning« wolltet ihr unbedingt in die Charts kommen. Das habt ihr mit »Over and Over« geschafft, der Song konnte sich immerhin auf Platz 32 der englischen Charts platzieren. Welche Ziele habt ihr euch für »Made In The Dark» gesetzt.

AT: Diesmal wollen wir Platz 31 erreichen! (lacht)

»Made In The Dark« von Hot Chip erscheint am 01.02.08 bei Labels/EMI

**Mehr Infos: **www.hotchip.co.uk

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Artikel zuletzt aktualisiert am: Mittwoch, 30. Januar 2008
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floBo
Florian aus Düsseldorf (34)
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