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Interview: Roisin Murphy
Der Club – Mein Heiligtum. Roisin Murphy erklärt, wieso Ausgehen eine ernste Angelegenheit sein sollte
»Ausgehen ist für mich etwas Heiliges.«
 Roisin Murphy hat der Clubkultur viel zu verdanken. In einem Club lernt sie ihren langjährigen Partner Mark Brydon kennen, hier entstehen die Ideen zu Hits wie »Do You Like My Tight Sweater« oder »Sing It Back«. Nach knapp zehn Jahren und vier erfolgreichen Alben kommt es zur Trennung. Das Paar geht fortan nicht nur musikalisch getrennte Wege. Mit »Ruby Blue« und der Hilfe von Matthew Herbert legt sie im Anschluss ein fulminantes Solodebüt hin und emanzipiert sich eindrucksvoll von Moloko. Mit »Overpowered« hat Roisin Murphy jetzt ein Album gemacht, das problemlos im Club funktioniert. Die erste Idee zum Sound von »Overpowered « kam der Sängerin in einem Club. Florian Schneider von der SMAG sprach mit Roisin Murphy über magische Momente beim Ausgehen und die nötige Ernsthaftigkeit, mit der man eine Club-Nacht angehen sollte.
SMAG: Wann hast du dich das letzte Mal »overpowered« – übermannt – gefühlt?
Roisin Murphy: (Lacht) Als ich vor einigen Tagen auf der Bühne vom Stuhl gefallen bin und alles umgerissen habe inklusive Mikrophonständer. Das Video zum Titelsong fängt die Momente nach einem Konzert ein, wenn man gerade von der Bühne gegangen ist und wieder ins normale Leben zurückfinden muss.
SMAG: Mit welchen Gefühlen verlässt du normalerweise die Bühne?
RM:Das hängt natürlich davon ab, wie die Show lief. Wenn die Show gut lief, fühlt man sich fantastisch. Direkt nach der Show bin ich allerdings sehr darauf bedacht, alle Sachen mit von der Bühne genommen zu haben. Ich wechsle während des Auftritts für jeden Song mein Kostüm und muss deshalb wirklich darauf achten, dass ich in meine Garderobe komplett beisammen habe. Erst wenn ich mir sicher bin, dass damit alles okay ist, kann ich mit einem Drink in der Hand relaxen.
SMAG: Vergleicht man »Overpowered« mit »Ruby Blue«, fällt auf, dass deine Musik tanzbarer und clubbiger geworden ist. Was den Sound angeht, gibt es zahlreiche Referenzen an die frühen 90er und späten 80er-Jahre. Wolltest du mit dem Album den Sound dieser Ära einfangen?
RM: Es gibt sicher einen House-Einfluss auf dem Album, aber in der Hauptsache ist es Disco. Du hast natürlich recht, was die vielen Referenzen angeht. Das war etwas, was ich unbedingt einmal machen wollte. Bisher habe ich immer nur mit einer einzelnen Person zusammengearbeitet, mit Mark bei Moloko und mit Matthew (Herbert) an »Ruby Blue«. Wenn zwei Persönlichkeiten im Studio aufeinanderprallen und wirklich den gesamten Produktionsprozess gemeinsam bestreiten, ist der Ausgang der Zusammenarbeit ungewiss und stets ein Experiment. Diesmal habe ich mit vielen Leuten an den unterschiedlichsten Prozessen gearbeitet, mit denen ich den Sound, den ich im Kopf hatte, umsetzen wollte.
»Alles, was ich über Musik weiß, habe ich von Djs gelernt!«
 SMAG: Also war es deine Entscheidung, viele verschiedene Produzenten hinzuzuziehen?
RM: Nach der Veröffentlichung von »Ruby Blue« bin ich von EMI unter Vertrag genommen worden. Zuvor hatte ich schon mit Seiji von den Bugz In The Attic angefangen, an Tracks zu arbeiten. Nachdem EMI die Songs gehört hatte und eine Ahnung davon hatte, in welche Richtung es gehen soll, habe sie mich u.a. Andy Cato von Groove Armada und Richard X vorgestellt, damit sie mir dabei helfen können, meine Idee von Disco umzusetzen.
SMAG: Gemeinsam mit Matthew Herbert hättest du diesen Sound nicht auf Platte gebracht?
RM:Matthew war sicher die beste Wahl, um sich von Moloko zu emanzipieren. Ich war zu der Zeit in einer komischen Stimmung und hatte Zweifel an meiner Stimme und meinen musikalischen Fähigkeiten. Er bestätigte mich darin, dass ich auch ohne meinen Freund Musik machen kann. Aber für den Sound von »Overpowered« wäre Matthew sicher nicht der richtige Mann gewesen.
SMAG: Gehst du selbst denn noch gerne und regelmäßig aus?
RM: Nicht mehr regelmäßig, aber der Ausgangspunkt für »Overpowered« war eine Party von Danny Krivit in New York. Sie findet einmal im Monat sonntags statt. Für mich die perfekte Zeit, um tanzen zu gehen, weil alle wirklich relaxt sind. Es spielte dort keine Rolle, was für Klamotten du trägst. Die Leute haben einfach Lust auf die Musik. Ganz am Ende ging eine Gruppe von Drag-Queens auf die Tanzfläche und tanzte, wie ich es noch nie zuvor gesehen hatte. Das war, wenn man so will, der Auslöser für »Overpowered«. Die Art wie ich ausgehe ist allerdings nichts für Jedermann. Wenn ich ausgehe, meine ich es wirklich ernst. So ernst wie bei einer »Northern Soul«-Party. Von Anfang an ist dabei klar, dass man zum Tanzen gekommen ist. Da ist nichts mit am Rand stehen, lässig was trinken, ein bisschen quatschen und dann mal sehen. Dort zählt nur die Kommunikation zwischen dem Publikum und dem DJ. Niemand unterhält sich oder macht Scherze. Es geht ausschließlich um die Musik. Dabei spielt es für mich keine Rolle, ob man in New York ausgeht oder in Sheffield - die Leute müssen es nur mit der Musik und dem Tanzen ernst meinen. Ausgehen ist für mich deshalb etwas Heiliges. Ich gehe nicht aus, um Spaß zu haben. Das hört sich vielleicht langweilig an, aber ich habe keine Lust auf schlechte Clubnächte. Danach hat man außerdem immer einen viel schlimmeren Kater.
SMAG: Es gibt also keinen Club, den du besonders magst?
RM:Natürlich hatte ich gewisse Momente in Clubs und letztendlich habe ich alles, was ich über Musik weiß, von DJs gelernt. Aber einen Lieblingsclub? Nein, so etwas habe ich nicht!
**»Overpowered« von Roisin Murphy ist bei Emi erschienen
**
www.roisinmurphy.co.uk
Fotos: EMI / Ewen Spencer
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Artikel zuletzt aktualisiert am: Montag, 19. November 2007
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floBo
Florian aus Düsseldorf (34)
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